Und Worte stauen sich im Mund, kriechen den
Rachen hinauf und drücken auf die Zunge, schieben Zähne auseinander und öffnen
spröde Lippen.
Ich sage nichts, weil niemand mich verstehen
würde. Niemand kann sich in mich hineinversetzen, niemand denkt so wie ich,
niemand hat das gleiche Gehirn und dieselben Gedankengänge. Und ja, es hört sich
wie eine schlechte Ausrede an, aber wer könnte die ganze Wahrheit denn ertragen?
Wir lügen doch nur noch den ganzen Tag, sodass Falsches gar nicht mehr
schockierend ist, sondern ein Normalzustand. Und wenn nun ich einfach so käme
und all die Illusionen meiner Liebsten zerstören würde von der guten und heilen
Welt. Das wäre alles so fern von dem, was sie von mir erwarten, was sie denken,
was ich denken würde.Aber am meisten Angst habe ich vor dem lauten Aussprechen, wenn die Worte da waren, wenn die Sache besiegelt ist; denn zuvor war alles nur in meinem Kopf, unwichtige Gedanken, nichts Festes, nichts Greifbares, aber wenn ich es jetzt rauslassen würde, würde ich dann nicht einen Schritt zu viel wagen? Denn vielleicht ist es gar nicht die Ungewissheit, was die anderen von mir denken werden, sondern das Wissen, dass ich es selbst nicht wahrhaben will

Wow, der Text ist genial :)
AntwortenLöschenIch liebe diesen Teil:
Wir lügen doch nur noch den ganzen Tag, sodass Falsches gar nicht mehr schockierend ist, sondern ein Normalzustand.
Toll!!!
Liebe Grüße